Mann, Mann! Sprachgebrauch im Web 2.0 Marketing

Das Schlagwort Web 2.0 steht für Interaktivität und Kommunikation (Definition in der Wikipedia). Internet ist für viele Nutzer nicht mehr nur Informationsbeschaffung. [Anmerkung: Wobei das Wort „viele“ m. E. schlecht quantifizierbar ist. Anders gefragt: Ist das Web 2.0 schon überall angekommen?]

Nichtsdestotrotz! Auf dem Gebiet Web 2.0 tummeln sich immer mehr Agenturen, sie wollen auf den Vermarktungszug aufspringen. Sie bilden SM-Teams und kreieren Werbe- und Marketingkampagnen. (Nein, nicht was ihr denkt, SM steht natürlich für Social Media!)

Das ist ja auch alles gut und recht. Aber heute ist mir die Pressemitteilung einer Internetagentur unter meine Augen gekommen. Diese will ich euch – wegen ihrer Formulierungsweise – nicht vorenthalten: Reißerisch und Denglisch!. Die Wortwahl erinnert mich an meine frühere IT-Consultingtätigkeit.

Worum geht es?
Spektakuläre Online-Markenkampagne

Ziel
interaktive Zielgruppenansprache, Vertiefung der Markenbeziehung zwischen Konsument und Marke sowie die Aktivierung von Markenbotschaftern

Herausforderung

  1. Reichweitenstark trotz spitzer Zielgruppe
  2. individuelle, zielgruppenaffine Kreativlösung mit optimalem Marken-Fit
  3. Bewegtbildproduktion

Leistungskatalog

  1. umfangreiches TGP-Mediapaket mit plakativen, aufmerksamstarken Formaten, Pre-Roll-Clips in der Video Community sowie redaktionelle Promotions
  2. Erfolgsgeheimnis der Kampagne war der digitale 360-Grad-Kommunikationsansatz
  3. Basis bildete ein umfangreiches, auf die Zielgruppe getargetes Display-Advertising-Paket, bei dem auch … Pre-Roll-Clips zum Einsatz kamen
  4. Für die schnelle und starke Verbreitung der Kampagne sowie eine hohe Nutzerbindung sorgten interaktive und virale Social-Media-Marketingelemente
  5. Ergänzt wurde das Branded-Entertainment-Konzept durch eine ausführliche redaktionelle Berichterstattung in Wort und Bild

*** Kursive Texte sind zitiert ***

Um was geht es wirklich?
Die Agentur United Internet Media führte im Herbst für Bahlsen ein Online-Gesang-Casting durch. Zu gewinnen gab es ein Stipendium im Wert von 24.000 Euro. Als Plattform wurde auf rund 20 Millionen Nutzer von WEB.DE und GMX zugegriffen, die die eingereichten Vorstellungen bewerten und Videos weiterempfehlen konnten. Simpler Hintergrund ist die Bewerbung eines Schokoriegels von Leibniz, die spitze Zielgruppe sind die 15-20 Jährigen.

Mein Fazit
Coole, dicker auftragende, denglische fachchinesische Schreibe für eine SM-Aktion, die nicht besonders ist.

Links zum Thema

TheoH

Theo ist leidenschaftlicher Kaffeegenießer & Genussblogger! Er wohnt in Mannheim, bloggt seit 2004 rund um die Themen Essen & Trinken, Kulinarisches, Gastronomie, Events. Ein weiteres Steckenpferd und Betätigungsfeld sind Webdesign, die Blogtechnik rund um Wordpress und Social Media, das Web 2.0. Mehr erfahren Sie hier.

8 Replies to “Mann, Mann! Sprachgebrauch im Web 2.0 Marketing

  1. Sehr schön wäre noch eine 1:1 Übersetzung des Leistungskatalogs. Das erschreckende ist allerdings, dass Berufstätige in dieser Branche meist gar nicht bemerken, was für eine „Insider“-Sprache sie sprechen.

  2. uiii, da musste ich jetzt aber auch 2mal hinschaun. Ich denke man musste die Aktion irgenwie verpacken ala web2.0. Wahrscheinlich konnte man nur so das Web2.0 verpacken und kam dann damit erst an die communities und die zielgruppen ran. Finde es trotzdem witzig was es nicht so alles gibt. An mir ging das Casting auf jeden Fall vorbei. Schade 🙁 Grüße Tom

  3. Nunja, auf den schon lange unter Volldampf fahrenden Zug des sogenannten Web 2.0 will wohl jeder aufspringen. Gerade die ach so trendy wirken wollenden (um den Satz mal mit Denglisch zu verquarsten) Marketing-Agenturen wollen mitfahren. Sie scheinen sowohl in die seltsame Sprache als auch in die neusten Methoden regelrecht verliebt zu sein. Ob es sich denn lohnt? Wird sich zeigen…

  4. es gibt mittlerweile eh schon einige ganz gute online web 2.0 dictionaries die einem das gequirllte marketing-geschreibsel div. agenturen wunderbar übersetzen 🙂

  5. Wie blöd sind manche Begriffe

    – Bewegtbildproduktion sind doch animierte Gifs oder Animation
    – Display-Advertising-Paket : Och bitte
    -digitale 360-Grad-Kommunikationsansatz : Kann mir das einer erklären ?

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