Slow Food Messe 2008: Quo vadis?

Die Slow Food Messe ist nun seit 3 Tagen vorüber. Es ist Zeit für mich, ein Fazit der Veranstaltung zu ziehen. Am vergangenen Samstag war ich einen Tag vor Ort und berichtete von meinen Eindrücken.

Inzwischen hat auch die Organisation Slow Food ein eigenes Fazit der Messe gezogen und titelt: „Es war der eine Wahnsinn!“. In der Tat wurde die Slow Food messe in diesem Jahr regelrecht von Besuchern überströmt. An vier Tagen strömten 65.000 Besucher durch die Messehallen. Im letzten Jahr waren es an drei Tagen 10.000 Besucher. Dabei vereichnete man in diesem Jahr 300 Aussteller, denen standen 200 Aussteller im vergangenen Jahr gegenüber.

Trotz dieses scheinbar überwältigen Erfolges will ich hier einige Punkte anmerken: Besucher(zahlen), Aussteller, Kommentare anderer.

Slow Food Messe 2008 Lageplan

die Besucherzahlen
Im Gegensatz zu Slow Food titelt die Messe Stuttgart: 65.000 Besucher stürmen Frühjahrsmessen – Die Trendthemen Slow Food, Garten, Wellness, Antiquitäten, Design, Mineralien, Schmuck, Bauen und Sanieren begeistern das Publikum.

Mehr als 65.000 Besucher stürmten vom 3. bis 6. April die Messen Slow Food, GARTEN, wellviva, Antiquitäten.Design.Raum, Mineralien- und Fossilienbörse sowie die HAUS l HOLZ l ENERGIE, die alle mit einer Eintrittskarte besucht werden konnten.

Fakt ist, dass zeitgleich zur Slow Food Messe weitere FÜNF Messen stattfanden. Bei Ansicht des Lageplans (siehe Foto) lag die SF Messe in Halle 3 strategisch günstig. Dort mussten alle Besucher vorbei. Und ich kenne mich ja. Auf Messen steht man sich schnell die Beine in den Bauch, man bekommt Hunger. So beobachtete ich, dass sich unter den Besuchern doch eine hohe Zahl an reiner Lauf- & Verzehrkundschaft sowie Durchgangsverkehr befand. Das populärste Food bei Besuchern war Bio-Brat- und Currywurst.

Man muss also berücksichtigen, dass sich diese 65.000 Besucher auf alle SECHS Messen verteilen. Im Fazit seitens Slow Food findet man hierzu keine Anmerkung.

die Aussteller
Die Ausstellerzahl ist gegenüber dem Vorjahr um 50% auf 300 gestiegen. Dieser Anstieg muss aber nicht förderlich für Slow Food sein. So sah ich in der Mehrzahl Stände von Händlern, die vorrangig Feinkost und Wein verkauften. Die Stände waren oft rein für den Verkauf von Waren ausgerichtet. Stände von Herstellern und Produzenten gab es natürlich, aber mir fiel halt der hohe Händleranteil auf.

Kommentare anderer
Gestützt werden meine Eindrücke durch Kommentare weiterer Besucher (Interessierte wie auch Slow Food Mitglieder) der Slow Food Messe 2008. Hier nun abschließend und auszugsweise deren Kommentare.

Manfred Meimberg sagt

Hatte gestern das Vergnügen auf der Slow Food Messe in Stuttgart zu sein. Der Erfolg scheint durchschlagend zu sein. Um die Mittagszeit bis in den Nachmittag war die Halle 3 überfüllt, die Stände belagert, es gab fast kein Durchkommen. Sind dies alle SF-Fans? Ich habe meine Zweifel. Gleichzeitig fanden 3 weitere Veranstaltungen statt, die man mit der selben Eintrittskarte besuchen konnte. Mir scheint, daß viele Besucher nur in die Slow Food Halle kamen, um gut und preiswert zu essen. Sicherlich nichts verwerfliches, der Gesamtveranstaltung tat dies nicht gut.

und

Am Samstag war wieder Nachschub am Currywurst-Stand. Die Schwäbisch Hallesche Genossenschaft soll ausgeholfen haben. Currywurst ist eben des Deutschen herausragendes Geschmackserlebnis.
Edeka hatte einen professionellen Auftritt. Hier kann man lernen wie Stände anziehend gestaltet werden. Dagegen sahen die meisten CV- und SF-Stände hausbacken aus. Wir sind eben eine Laienorganisation, was seinen Charm hat. Wir müssen uns nicht wundern, wenn die Marketingprofis uns die Wurst von Brot nehmen. Bio und Slow Food sind am Markt angekommen, bessere Spannen, höhere Preise reizen, – bessere Qualität ist schon schwieriger.

T. Neumann von Dinnerscout sagt

Wir waren auch auf der Slow Food Messe und mir haben einige Stände soweit sehr gut gefallen, Produkte von kleinen Produzenten zu bekommen ist doch sehr gut. Ich bin dennoch der Meinung, dass die Veranstalter sich ein bischen zu sehr aus dem Fenster lehnen und mit Besucherzahlen um sich schmeissen die auf gar keinen Fall auf die Slow Food Messe zutreffen. Viele kamen über die anderen 3 Veranstaltungen und wenn man genau hinschaut! Die lange Tafel ist zwar schön gewesen, aber mit Sicherheit eine Notlösung, denn normalerweise sollten da Stände hin. Wenn man einmal an der Seite um die Halle gegangen ist waren auch leere Stände und mitten drin billig Salami und EDEKA, was hat EDEKA mit Slow Food zu tun? Slow-Produkt-Discounter oder Slow-EDEKA? Naja, ohne den ehrenvollen Einsatz der Convivien hätte die Messe so nicht funktionieren können.

Jan, Slow Food Blogger schreibt in seinem Fazit zur Messe u. a.

Viele Besucher sind zum ersten Mal mit der Slow-Food-Idee in Berührung gekommen, was begrüßenswert ist. Denn nur so kann die Philosophie von Slow Food weiter verbreitet werden. Auf der anderen Seite haben die Anbieter auch viel mehr „Jäger und Sammler“ – hier Probierer – bemerkt, die, ohne Interesse an den Produkten zu haben, einfach nur ein kostenloses Essen zusammenprobiert haben. Das ist schade und eigentlich genau das Gegenteil von dem was man hier erreichen will: Nachdenken über die Qualität der Lebensmittel.

und

An einigen Ständen wurde regelrecht gemauert, wenn man mehr über die Produkte wissen wollte oder müde auf die ausliegenden Prospekte verwiesen. So wurde häufig der Bezug zu Slow Food nicht klar…

Na ja! Größe ist nicht alles! Trotzdem freue ich mich bereits auf die Slow Food Messe 2009.

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TheoH

Theo ist leidenschaftlicher Kaffeegenießer & Genussblogger! Er wohnt in Mannheim, bloggt seit 2004 rund um die Themen Essen & Trinken, Kulinarisches, Gastronomie, Events. Ein weiteres Steckenpferd und Betätigungsfeld sind Webdesign, die Blogtechnik rund um Wordpress und Social Media, das Web 2.0. Mehr erfahren Sie hier.

4 Replies to “Slow Food Messe 2008: Quo vadis?

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