Kleine Presseschau: Habseligkeiten

Nun haben wir ein wenig Zeit gehabt und alle das schönste deutsche Wort Habseligkeiten auf uns wirken lassen können. Ich habe zur kontroversen Entscheidung eine kleine Presseschau zusammengestellt.

Rhein-Neckar-Zeitung
Die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg schlägt gleich das Wort Peinseligkeit vor und schreibt den Juroren zwar Gefühl bei ihrer Entscheidung zu, aber keinen Verstand.

Meinung der RNZ:
… genau so hat der deutsche Gutmensch bei der Auswahl des „schönsten Wortes“ entschieden. Mit viel Gefühl, bei wenig Verstand: Habseligkeiten! Dem Wort, das uns Tränen in die Augen drücken soll, weil es scheinbar das kleine Glück des Habens beschreibt, wurde sogar eine falsche Begründung beigegeben. Es ist nämlich aus Habsucht abgeleitet und eine Analogie zu Trübseligkeit oder Armseligkeit. Der Wortzusatz „selig“ hat mit der Seeligkeit so wenig zu tun wie Gemütlichkeit mit der Notaufnahme einer Unfallchirurgie. Sondern ist aus dem Wortzusatz „sal“ gebildet – wie bei Trübsal. Angesichts dessen plädieren wie für Peinseligkeit – und haben fertig.

Frankfurter Neue Presse
Als wirklichkeitsfremd bezeichnet die Frankfurter Neue Presse die Entscheidung. In Zeiten, wo Kultur in Rankings gepresst werden, keine Zeit für Feinheiten vorhanden ist, verwundert solch eine Enstcheidung für den Begriff Habseligkeiten nicht. Zudem hätte man nun einen heißen Kandidaten für ein Ranking zur „schlechtesten Jury“.

Die Welt
Die Welt hat heute einen Satz kreiert, der die 5 beliebtesten und schönsten deutschen Wörter enthält:

Unsere Habseligkeiten vermitteln zwar keine Geborgenheit, dafür lieben wir aber den Augenblick in die Rhabarbermarmelade. Das ist der schönste deutsche Satz. Er muß es einfach sein, weil in ihm die vom Deutschen Sprachrat gekürten fünf schönsten deutschen Worte vorkommen – und das auch noch in der richtigen Reihenfolge. Habseligkeiten, Geborgenheit, lieben, Augenblick, Rhabarbermarmelade.

Wir persönlich hätten uns zwar eher für Reichtümer, Blutgrätsche, prassen, Ohrenschmalz, Champagnerrisotto entschieden. Aber uns hat ja niemand gefragt. Wahrscheinlich deshalb nicht, weil wir wissen, daß die schönsten Worte doch nur die grausamsten Dinge beschreiben. Wie sonst wäre es zu erklären, daß wir neulich erst ein „Boeuf Americain in Sesamteigmantel an Carpaccio von Gurke in Tomatenessenz“ bestellten – und dann einen Big Mac vorgesetzt bekamen? Worte – nichts als Schand und Maul!

In seinem Artikel „Schönste deutsche Sätze“ sinniert Peter Dausend des weiteren darüber, was denn die schönsten deutschen Worte in den Ohren der wichtigsten deutschen Politiker – Merkel, Schröder, Westerwelle, Stoiber – seien. Köstlich! 😉 Unbedingter Lesezwang!

TXT-JobBlog von Birgit Mestmäcker
Birgit schlägt das Wort „Danke“ vor. Ihre Begründung lautet:

Danke – ist das Wort in unserer Sprache, dem man ohne den Inhalt des Vorherigen zu kennen immer anhört, dass etwas Schönes, Brauchbares, Hilfreiches geschehen ist. (Ironische Verwendung ausgeschlossen. Aber das ist ja wohl auch bei Habseligkeiten so.) Danke ist das Wort in unserer Sprache, das jeder gerne hört. Und Danke ist noch niemals überflüssigerweise gesagt worden.

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TheoH

Theo ist leidenschaftlicher Kaffeegenießer & Genussblogger! Er wohnt in Mannheim, bloggt seit 2004 rund um die Themen Essen & Trinken, Kulinarisches, Gastronomie, Events. Ein weiteres Steckenpferd und Betätigungsfeld sind Webdesign, die Blogtechnik rund um Wordpress und Social Media, das Web 2.0. Mehr erfahren Sie hier.

One Reply to “Kleine Presseschau: Habseligkeiten”

  1. „Habseligkeiten“ …..schönstes deutsches Wort? Diese Kür ist eher eine Lachnummer!

    Liebe Redaktion,
    das Wort „Habseligkeiten“ als schönstes deutsches Wort zu küren, dazu bedarf es einer oberflächlichen Betrachtungsweise, die mich an den Begriff „Konsumidioten“ erinnert!
    Was kann daran schön sein, wenn ein Mensch nur noch Habseligkeiten hat? Habseligkeiten die er eventuell nur noch in einer Tasche oder auf dem Rücken transportiert in eiliger Flucht vor mörderischen Banden!

    Es erinnert mich an die Flüchtlingstrecks der Frauen, Kinder und alten Leute aus Ostpreußen, es erinnert mich an die Flüchtlinge in Afrika, die vor Mörderbanden ins angrenzende Ausland fliehen, es erinnert mich an die ermordeten und vergewaltigten Flüchtlingsfrauen und Kinder in aller Welt!

    Nur noch Habseligkeiten zu haben, dies ist an Traurigkeit und Elend nicht mehr zu überbieten!
    Aber sollen wir vielleicht damit vertraut gemacht werden, daß uns zukünftig ebenfalls nur noch „Habseligkeiten“ übrigbleiben aus unserer Vergangenheit des Wirtschaftswunderlandes?

    Wollen uns die Globalisten hier schon programmieren auf eine neue Zukunft in Armut und aufgezwungener Seligkeit mit dem Notwendigsten?

    HABSELIGKEITEN soll das schönste Wort unserer deutschen Sprache sein?

    Habseligkeiten – gilt dies für den Geisteszustand dieser Jury für die Deutsche Sprache? Es sind scheinbar nur Habseligkeiten an Vorstellungsvermögen, Verstand, positiven Denken und Geist übriggeblieben in den Köpfen dieser Jury!

    Zitatanfang:
    als Begründung zur Kür seitens der Jury:
    Den Ausschlag für die Platzierung gab nicht die Anzahl der Vorschläge, sondern allein „der Charme der Begründung“.
    Zitatende

    So lautet die offizielle Stellungnahme der Jury. Dies muß man sich erst einmal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen! Nicht das Wort ist entscheidend, sondern der Charme der Begründung! So kann man eine lebende Sprache auch total verbiegen!

    Wenn der „Charme einer Begründung“ den allgemeinverständlichen Sinn eines Wortes dahingehend verändert, daß aus einem klaren Begriff etwas anderes gezaubert wird, dann endet dies in einer babylonischen Sprachenverwirrung.

    Es erinnert mich irgendwie an George Orwells Buch 1984, da wurden die sprachlichen Begriffe in perverser Form umgestaltet.

    Da könnte man doch zum Beispiel das Wort KRIEG demnächt mit einer charmanten Begründung einreichen! Ob dies dann auch zum schönsten deutschen Wort gekürt wird?

    Ihr so genannten Vordenker in der Jury der Deutschen Sprache, Ihr solltet mehr auf das Volk und nicht auf die Lenker im Hintergrund hören!

    Steckt Euch Eure Habseligkeiten an den Hut oder sonst wo hin!
    Viele Grüße

    Dieter Krogmann, 30. Oktober 2004

    http://www.denkfabrik-info.de

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