"Hawesko drückt >100 % in Weinwerbung" oder "Hawesko & das AAL-Prinzip"

In den letzten Tagen tritt Hawesko (Hanseatisches Wein- und Sekt-Kontor), lt. Wikipedia-Eintrag größter Weinhändler Europas, in den Fokus der Medien. Das Weihnachtsgeschäft ist ja schließlich in vollem Gange.

Hawesko rührt kräftig die Werbetrommel. Der Weinversand lanciert seine Weine über die Kommunikationskanäle Blogs und Fernsehen.

Wine4Dinner
Da erhielt ich vor einigen Tagen eine E-Mail mit dem Titel “Gastgeber gesucht…”. Weiter heißt es:

…wir suchen Gastgeber für 31 Abendessen im Dezember. Für jedes der 31
Dinner spendieren wir den Wein. Der Gastgeber – das könnten auch Sie sein – richtet ein Abendessen für mindestens 6 Personen aus. Wir spendieren den Aperitif und erstklassige Weine in ausreichender Menge dazu. Kostenlos. Versprochen.

Cool, dachte ich und las weiter…

Das einzige, was der Gastgeber tun muss, ist, sich auf unserer Internetsite www.wine4dinner.de für einen bestimmten Tag im Dezember für ein Dinner anzumelden und uns nach dem Dinner ein paar Bilder des Abends und einen kleinen Text zu mailen, die wir auf www.wine4dinner.de veröffentlichen.

Wir möchten mit dieser Aktion ein paar Anlässe schaffen, gemeinsam zu essen, Spaß zu haben und guten Wein zu trinken. Und natürlich freuen wir uns, wenn den Teilnehmern der Wein von uns schmeckt.

Also doch nichts für mich. Ich gehe nämlich immer aus zum Weihnachtsessen. Und zu einem wine4dinner hat man mich bis jetzt auch nicht eingeladen. Aber es geht weiter…

Wenn Ihnen unsere kleine Weihnachtsaktion gefällt, nehmen Sie doch selbst daran teil oder schreiben darüber in Ihrem Blog.

Ich kann ja in meinem Blog über die Aktion schreiben. Aha. Mache ich ja jetzt… Ein Blick auf die Seite von www.wine4dinner.de zeigt mir, dass heute 3 der 24 Dinner in der Liste vergeben sind. Da fehlt also noch was. Vorgebugt hat Hawesko auch für den Fall, dass die Werbekampagne abgebrochen würde. Dazu schaue man bitte in die Teilnahmebedingungen (letzter Absatz). Die Website kommt in Blogform daher. Die Aktion dürfte man kommentieren, wenn man wollte.

100 % Wein – Sendung im N-TV
Des Weiteren lief gestern abend eine erste Weinsendereihe mit dem Titel 100 % Wein auf dem Sender N-TV an. Sie wird ebenfalls von Hawesko gesponsort und somit bezahlt. Produziert wird die Sendung von einer beauftragten Argentur, verkostet werden im Weinkontor vertriebene Weine. Zudem werden parallel im Online-Shop sendegerecht Weinpakete geschnürt und feilgeboten.
Das ist ja alles nichts Beonderes mehr. Fernsehsender prodzieren oft nicht mher selbst, sondern kaufen Content, sprich Sendeminuten von außen ein. Selbst viele bei Sendern Beschäftigte verselbständigen sich quasi und führen ihre Moderatorentätigkeiten und Sendungen in eigenen Agenturen weiter, siehe nur Kerner, Christiansen, Raab, Beckmann und wie sie alle heißen. Ausgestrahlt werden die Sendeformate weiterhin von den Sendern.

Das AAL-Prinzip
Nun wird es interessant. Ich komme zum AAL-Prinzip: Andere arbeiten lassen. Das oben erwähnte Wine4Dinner ist eine Form des AAL-Prinzips. Bemerkenswerter sind aber die wegen der neuen Weinsendung auf N-TV entbrannten Diskussionen und Spekulationen. Da wurde im Vorgang der Sendung in verschiedenen Weinblogs recherchiert ob der Qualifikation des Sommeliers sowie des Sendeformates.

Blogs berichten kostenlos über die Aktionen von Hawesko. Und der bezahlte und durch die Sendung führende Sommelier Michael Liebert, der selbst ein Blog betreibt, bringt sich konstruktiv in die Diskussion mit ein: 100% Wein – Kritik, Lob, Anregungen . Alex Ultes hat heute die Diskussion zusammengefasst: 100% Wein mit Michael Liebert auf n-tv III. Ein Link zum Hawesko-Shoppingangebot fehlt nicht.

Das ist mal ein gutes Beispiel für bisweilen ungewolltes AAL(-Prinzip):
wikio-Suche nach Hawesko
wikio-Suche nach n-tv und Wein

Mein Fazit
Weinhändler sind m. E. (noch) nicht bereit, direkt Werbegelder an Blogs zu vergeben. Blogs werden genutzt, siehe die Blogform bei wine4dinner und dem Blog wein-worte aus dem Hause der Creative Weblogger. Aber über einen sponsored post geht das Verlangen, hier von Hawesko, wohl nicht hinaus. Warum auch? Es wurde ja in Blogs drüber geschrieben.

Weincasting hat gerade heute noch über ein Beispiel berichtet [Hawesko and Rindchen’s Weinkontor go clever], das durchaus das Potential von Blogs aufzeigt. Sie werden gelesen und sind oft sehr gute Ideengeber. Traurig, dass Ideen nicht patentierbar sind.

kurzer Nachtrag
Bei zorras Adventskalender 2008 tritt Hawesko ebenfalls als Preisspender auf.

Noch ein Nachtrag am 1.12.2008
Gestern abend erstellte Mario Scheuermann, der die Recherchen um die Sendung 100 % Wein in N-TV begonnen hatte, eine umfassende Zusammenfassung mit den Reaktionen aus allen beteiligten Blogs, kurz und griffig mit Bloggerzitaten.

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Theo Huesmann

Theo Huesmann

Eigentümer, Betreiber & Autor bei Notizen für Genießer - gumia.de
Theo ist leidenschaftlicher Kaffeegenießer & Genussblogger! Er wohnt in Mannheim, bloggt seit 2004 rund um die Themen Essen & Trinken, Kulinarisches, Gastronomie, Events. Ein weiteres Steckenpferd und Betätigungsfeld sind Webdesign, die Blogtechnik rund um Wordpress und Social Media, das Web 2.0. Mehr erfahren Sie hier.
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2 Kommentare zu “"Hawesko drückt >100 % in Weinwerbung" oder "Hawesko & das AAL-Prinzip"
  1. Pingback: 100 Prozent Wein?

  2. Hallo Herr Huesmann,
    der Satz „Weinhändler sind m. E. (noch) nicht bereit, direkt Werbegelder an Blogs zu vergeben.“ ist so nicht richtig. Es gibt sehr wohl eine ganze Reihe von Weblogs, auf denen ganz offiziell Werbung von Weinhändler geschaltet wird so z.B. im Drink tank, in Planet Bordeaux, Nikos Weinwelten, weinverkostungen.de und einige andere mehr. Es handelt sich durch die Bank um namhafte Firmen wie superiore.de, c und d, Weinhalle, Alpina, Bacchus Vinothek, Château Classique (eine Hawesko Tochter), Wein Wolf (Hawesko Tochter), hauswein.de, vinexus, Weinvorteil um nur einige zu nennen. Die Liste der Die Werbeaufwendungen des Weinhandels in den Weblogs liegen zusammengerechnet heute immerhin schon im fünfstelligen Bereich pro Jahr. Das ist noch nicht die Welt, aber ein Anfang. Und wenn meine Informationen stimmen, die ich von einigen Agenturen bekommen habe, werden sich im kommenden Jahr die Budgets dafür vergrössern und die Zahl der mit Werbung belegten Blogs ebenso. Die Akzeptanz wächst, wenn auch langsam. Auch von Seiten der Verbände und Anbaugebiete kommen immer mehr Anfragen und auch Buchungen.
    Gruss Mario Scheuermann

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