Der oberflächliche Ernährungsreport 2017

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat zu Jahresbeginn 2017 den jährlichen Ernährungsreport vorgestellt und veröffentlicht. Hier der Link zur BMEL-Seite. Bei näherer Betrachtung kann dieser aber als oberflächlich und inhaltlich widersprüchlich bewertet werden. Nun aber der Reihe nach.

Im Begrüßungswort des Grünbuchs (Link zum 15-seitigen Dokument im PDF-Format) führt der BMEL Christian Schmidt ein mit den Worten:

Der nun vorliegende Ernährungsreport 2017 zeigt vor allem, wie Deutschland sein will: gut und schnell informiert, mit hohem Qualitätsanspruch, verantwortungsbewusst gegenüber Umwelt und Tieren. Mehr Tierwohl ist dabei in puncto Ernährung das zentrale Thema der Deutschen. Ein zweiter Trend: Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich in Kita und Schule mehr Ernährungsbildung, die Hand in Hand geht mit einer qualitativ hochwertigen Verpflegung.

1) Qualitätsanspruch
Ja, lecker soll es schmecken. Aber schnell muss es gehen mit dem Kochen. So wünschen über die Hälfte der Befragten eine schnelle Zubereitung. Es darf auch mal eine Tiefkühlpizza sein, gaben bei den Jungen bis zu 70 % an. Lieblingslebensmittel sind Fleisch (über 50 %), Nudeln (38 %), danach folgen Gemüse und Gesünderes. Wenn Fleisch so beliebt ist, wie ist es dann mit dem Tierwohl? Widerspruch!

2) Ernährungsbildung
Die Kochlust nimmt ab. Von den Jugendlichen (14 – 18 Jahre) kocht jeder zweite höchstens einmal in der Woche. Wenn ich mal annehme, dass sie mit Familie kochen und essen, wird es mit der Kochlust der Eltern auch nicht weit her sein. Aber die Schule soll / kann es richten. 🙂 Denn da wünschen sich viele Befragten ein Unterrichtsfach zum Thema Ernährung.

3) Lebensmittelauswahl – Anspruch & Wirklichkeit
Wie schaut es nun aus? Die Grafik (Auszug aus dem Ernährungsreport 2017) zeigt ein widersprüchliches Bild.

Zum einen wünscht der Verbraucher nachhaltig vegane, laktose- und glutenfreie Lebensmittel im Verkaufsregal. Er legt auch Wert auf regionale Lebensmittel (über 70 % der Befragten). Demgegenüber diktiert der Preis, was im Einkaufswagen landet. Markentreue und Reaktion auf Werbung sind weitere entscheidende Faktoren für den Einkauf. Des Weiteren wird vermehrt in Supermärkten und Discountern eingekauft. Auf Märkte oder zum Bauern verirren sich höchstens 8 % der Befragten.

Meine Meinung:
Der Ernährungsreport ist oberflächlich. Mit seinen 15 Seiten ist er inhaltlich rein deskriptiv. Er enthält vermeintlich widersprüchliche Angaben. Die Befragten legen Wert auf Qualität und Tierwohl, wollen regionale und vegane Produkte in den Regalen sehen, aber bitte im Supermarkt und preisgünstig. Das Kochen soll dann schnell gehen und lecker schmecken. 🙁

Das kann so nicht, vor allem nicht nachhaltig funktionieren.

TheoH

Theo ist leidenschaftlicher Kaffeegenießer & Genussblogger! Er wohnt in Mannheim, bloggt seit 2004 rund um die Themen Essen & Trinken, Kulinarisches, Gastronomie, Events. Ein weiteres Steckenpferd und Betätigungsfeld sind Webdesign, die Blogtechnik rund um Wordpress und Social Media, das Web 2.0. Mehr erfahren Sie hier.

3 Kommentare zu “Der oberflächliche Ernährungsreport 2017

  1. Tza, Essen und Genießen sind in unserer Gesellschaft leider zwei verschiedene Dinge geworden. Reports und Labels helfen da wenig. Vor- und mitmachen ist angesagt.

  2. In den Kindergarten in den meine Tochter jetzt im August kommt ist zum Beispiel Pflicht gesunde Sachen mit zu bringen und untersagt Süßigkeiten mit zu bringen.

  3. Hallo,
    ich finde Fleisch zu Essen und Tierwohl ist nicht unbedingt ein Widerspruch. Klar, letztendlich kann man schon sagen, dass das Töten eines Tieres nicht mit dem Tierwohl vereinbar ist.
    Ich finde das größte Problem ist, dass die meisten Menschen nur auf den Preis schauen und zu geizig sind, etwas mehr Geld für gute Nahrung auszugeben.

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