Alles Blödsinn! Die Blogosphäre lebt.

Wieder einmal wird das Ende der Blogosphäre herbei geredet. Benedikt begründet in seinem Beitrag Das Ende der Blogsphäre mit der Anzahl der Blogbeiträge zum Bloggertreffen der DLD, das dieser Veranstaltung voraugeht.

Darin bemerkt er einen stark abnehmenden Trend bei der Berichterstattung zu diesem Bloggertreffen. Ich stimme zu, dass mir die Reaktionen zum Treffen – bei der doch hohen Teilnehmerzahl – sehr zurückhaltend vorkamen. Aber daraus würde ich nicht schließen, dass die Blogosphäre lahmt oder gar stirbt.

Hugo E. Martin schreibt in seinem Kommentar:

Das hängt wohl auch ein wenig damit zusammen, dass der DLD jedenfalls von den Teilnehmern her, eher den gehobenen (oder was sich dafür hält) Mainstream bedient …

Da frage ich mich, was ist „gehobener Mainstream„?

Ich behaupte: A-Blogger sind tot! Aber die Blogosphäre lebt!

So, nun habe ich es ebenso reißerisch geschrieben wie Benedikt titelt. In der Begrifferklärung zu Blogosphäre heißt es in der Wikipedia:

Der Begriff Blogosphäre (engl. „blogosphere“) beschreibt die Gesamtheit der Weblogs und ihrer Verbindungen. Er entspringt der Wahrnehmung, dass Blogs durch ihre Vernetzungen gemeinsam eine oder eine Vielzahl von Communities bilden, beziehungsweise ein soziales Netzwerk darstellen. Der Begriff soll an „Logosphäre“ erinnern, was in etwa „Welt der Worte“ bedeutet. Auch eine Ähnlichkeit mit dem Konzept der Noosphäre ist beabsichtigt.

Der Grad der Verlinkung zwischen Blogs sinkt bei ansteigender Zahl von Blogs. Blogs, in denen übers Bloggen und Geldverdienen geschrieben wird, IT- und Techi-Kram-Blogs nehmen ab.

Trend bei kulinarischen Blogs
Hingegen steigt die Anzahl themenbezogener Blogs stark an. In meinem Beitrag Genuss- & Kochblogs in deutsche blogcharts hatte ich vor einigen Tagen bereits darauf hingewiesen, dass beispielsweise Blogs, die kulinarische Themen besetzen, eher kommentarfreudig als linksetzungsfreudig sind. Zudem schalten viele Blogs und auch Blog-Provider Ping- und Trackbackfunktionen wegen hohen Spamaufkommens ab.

Weniger technikaffine Blogger
Themenblogs werden vermehrt von bloggenden Menschen betrieben, die blogtechnisch nicht arg bewandert sind. Sie wollen themenbezogen schreiben! Das tun sie oft nachhaltig und äußerst kompetent. Ein Weblog wird als technisches, leicht handhabbares Medium und Werkzeug gesehen und verwendet. Die Zeiten sind – fast – vorbei, dass Blogs von Bloggern gelesen werden. Es mischen sich immer mehr Nichtblogger unter die Leser. Dass sie meist nicht wissen, gerade ein Blog zu lesen, ist da nebensächlich. Ich sehe das Blog als Tool, das vermehrt genutzt wird.

TheoH

Theo ist leidenschaftlicher Kaffeegenießer & Genussblogger! Er wohnt in Mannheim, bloggt seit 2004 rund um die Themen Essen & Trinken, Kulinarisches, Gastronomie, Events. Ein weiteres Steckenpferd und Betätigungsfeld sind Webdesign, die Blogtechnik rund um Wordpress und Social Media, das Web 2.0. Mehr erfahren Sie hier.

6 Kommentare zu “Alles Blödsinn! Die Blogosphäre lebt.

  1. Da liegen wir doch gar nicht allzu weit auseinander. Ich bin davon überzeugt, dass Blogger als gemeinschaftstiftendes Label nicht mehr tragfähig ist und dass man früher oder später nicht mehr inhaltlich zwischen Blogs und anderen Publikationsformen unterscheiden kann. Zugleich legt damit die dahinter steckende Technologie, diese unglaubliche Leichtigkeit des Veröffentlichens von eigenen Gedanken und Images erst richtig los. Wir stehen in diesem Sinne erst am Anfang der Geschichte der Blogs – nur eben nicht als Gemeinschaft der Blogger. Weinblogger oder Foodblogger haben ihre Gemeinsamkeit nicht darin, dass sie gerne WordPress installieren. Was sie verbindet, ist die Tatsache, dass sie über ihre Leidenschaft schreiben und sich mit anderen Menschen darüber austauschen. Ich finde die Wikipedia-Definition nicht so passend. Bei Sphäre denke ich an etwas, was in der ersten Linie von anderen getrennt ist (analog Privatsphäre oder bei Max Weber die Wertsphären etc.). In diesem Sinn würde ich durchaus die These vertreten, dass Blogs keine Sphäre mehr bilden, sondern längst in alle möglichen Gesellschafts- und Medienbereiche eingedrungen sind: Bildung, Wissenschaft, Massenmedien, Einzelhandel, Corporate Communications usw.

  2. Wenn wir uns von der Bezeichnung Blogs verabschieden werden, werden sie aufleben. Und das ist gut so. Benedikt bemerkt richtig, dass man früher oder später zwischen Blogs und anderen Publikationsformen kaum mehr unterscheiden wird. Nennen wir sie einfach anders, und bemerken dann, dass sie längst Allgemeingut sind. Kein Hype mehr. Einfach normal. Gut so. Hardcore-Blogger müssen das einsehen, und sich eine andere hippe Spielwiese suchen.

  3. Blogs & Co stehen erst in den Startlöchern. Warten wir noch, bis das mobile Surfen in Deutschland erschwinglicher wird, auf dem Weg ist es ja schon, dann kommt noch mal eine andere Qualität in Blogs.

  4. Ich zähle mich hier jetzt mal zu den weniger technikaffinen Bloggern.

    Das Schreiben und das damit verbundene Austauschen macht Spaß und verbindet auch über die Blogs hinaus, siehe #BtG09. Der klassische Blog (vom Blogger für Blogger übers Bloggen geschrieben) verliert zwar an Boden, Blogs wachsen weiter. Die Blogosphäre stirbt auch nicht wirklich, sie wandelt sich, geht weg von der Sphäre (wie Benedikt schreibt), die ja ein in sich geschlossenes System darstellt und öffnet sich immer weiter und immer mehr. An Matthias Gedanken bzgl. des mobilen Surfens denk ich momentan noch nicht wirklich, kommt aber immer mehr!

  5. Theo, du warst schneller. Ich wollte auch schon was zu dem Thema schreiben, da dem Anschein nach einige Blogbeiträge hierzu entweder missverständlich rüberkamen oder der Verfasser selbst einem Missverständnis erlegen war:
    – Der „Tod der Blogosphäre“, so er denn eingetreten ist und es sowas wie die Blogosphäre jemals gab, ist nicht gleichbedeutend mit einem Niedergang des Bloggens.

    Den Zuspitzungen, auch in den Kommentaren hier, dass Aufschwung der Blogs und Niedergang der Blogosphäre geradezu in einem Kausalzusammenhang stehen, kann ich ebenfalls folgen: Die Bloggerei übers Bloggen nimmt ab, die kollektive Selbstfindungsphase ist kein großes Thema mehr.

    Den „weltanschaulichen Überhang“ habe ich noch nie so ganz verstanden – Bloggen ist in erster Linie ein technologischer Zugang; die Haltungen dahinter sind so unterschiedlich, dass man nicht davon ausgehen kann, hier viele gemeinsame Ziele zu verfolgen. Und die ewigen Prophezeihungen über Blogs vs. Print bringen auch niemanden weiter.

    Und es stimmt: Je mehr Menschen bloggen, desto weniger spielen Nerd- und Geek-Themen eine Rolle und desto einfacher wird die Technologie werden (zumindest das Interface).

    Gruß,
    Guido

  6. @Benedikt:
    >>Wir stehen in diesem Sinne erst am Anfang der Geschichte der Blogs – nur eben nicht als Gemeinschaft der Blogger.

    Du hast meie Zustimmung. Das ist die Kernaussage, Benedikt. Blogs werden sich immer mehr etablieren als Medium der Kommunikation.

    @cdv!:
    >>Wenn wir uns von der Bezeichnung Blogs verabschieden werden, werden sie aufleben… Einfach normal.

    Genau!

    @Matthias:
    Startlöcher ist gut. Blognutzung wird normal werden.

    @derUltes:
    >>Sphäre (wie Benedikt schreibt), die ja ein in sich geschlossenes System darstellt und öffnet sich immer weiter…

    Du sagst es, Alex. Blogs werden mehr und mehr von nicht technikaffinen Leuten, meist themenbezogenen Bloggern, man sollte sie vielleicht auch besser Autoren nennen, genutzt.

    @Guido:
    >>Die Bloggerei übers Bloggen nimmt ab, die kollektive Selbstfindungsphase ist kein großes Thema mehr.

    Darin besteht genau die Veränderung. Das Blog mutiert zusehens zu einem Instrument. Als Thema ist es bald OUT.

    @alle:
    Ich stelle eine Einigkeit in euren Kommentaren fest. Vielen dank für euer Feedback.

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